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Leben am Baumteller

Tiergeschichten
auf DVD

Zaunkönig sucht Nistmaterial

16.04.2016: Der Ast, an dem dieser Zaunkönig kopfüber Moos zupft, gehört zu einem Baumteller mit mehreren Nestern

Ein Amselnest im Baumteller

Wenn der Sturm einen Baum kippt, entsteht manchmal ein sogenannter Baumteller, vor allem dann, wenn der Baum ein Flachwurzler ist und der Boden feucht oder sogar sehr naß ist. Kommt noch Regen dazu, dann wird der Baum auch noch sehr schwer und kippt noch eher um. Rechts oben im Wurzelwerk des Baumtellers sieht man ein Loch, die dunkle Stelle. Dort hat eine Amsel ein Nest gebaut. Das Nest ist in Augenhöhe direkt an einem Trampelpfad. Als ich es entdeckte, waren 2 Eier im Nest. Eine Woche später waren es noch immer nur diese zwei Eier. Jeder Fußgänger geht nur 50 cm am Nest vorbei. Diese Neststörung ist von den Fußgängern nicht beabsichtigt. Es wird auch kaum jemand bemerkt haben. Der Amsel aber war das zuviel. Sie hat das Nest aufgegeben. Vielleicht ist sie ja beim nächsten Nest schlauer.

Um es mit Darwin zu sagen: Wer sö dämlich sein Nest baut, kann sich nicht fortpflanzen. Es ist die natürliche Auslese der Natur.

 

Baumteller

Amselnest im Baumteller2 Eier im Amselnest eines Baumtellers

Noch ein Baumteller

Der getarnte FotografAls ich vor drei Jahren einen riesigen Baumteller kaum 15 Meter von einem Bach entfernt fand, dachte ich sofort an den Eisvogel. Immerhin ist der Teller mindestens 2 1/2 Meter hoch und rund 5 Meter breit. Und zur Freude des Eisvogels hat sich das entstandene Loch mit Wasser gefüllt. Das gaukelt ihm eine Abbruchwand am Wasser vor, genau das, was sich ein Eisvogel wünscht. An der Wandse in Hamburg sind vor ein paar Jahren teure Nisthilfen für den Eisvogel aufgestellt worden, unten grünes Wellblech, oben eine große Styroporkiste. Der Eisvogel wollte diese Dinger nicht, jedenfalls habe ich ihn dort nie gesehen. Nur der Specht fand Gefallen am Kunststoff und zerlegte ihn nach Spechtart.

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Ein Jahr später im Herbst

fand ich Löcher im Baumteller, die wie angefangene Brutröhren aussahen. Vom Eisvogel war nichts zu hören und schon gar nichts zu sehen..

Ein weiteres Jahr war vergangen, und ich besuchte den Baumteller schon Anfang März. Eisvögel fangen schon zeitig im Jahr mit dem Brüten an. Vier Löcher gab es in der Wand. Beflogen schienen sie nicht zu sein.

Eine Woche später entdeckte ich an einem Loch Kotspuren und feuchte Erde. Das sah ganz nach einer bewohnten Röhre aus. Nun ließ ich mir Zeit und suchte eine gute Deckung. Schließlich wollte ich nicht zum Neststörer werden. Es war eine Geduldsprobe. Als ich nach Stunden aufgeben wollte, flog ein roter blau glänzender Vogel im hohen Tempo an mir vorbei. Das war er. Er war in der Röhre.

Im WandstalBaumteller an der WandseBaumteller an der WandseEisvogel Niströhren

Am nächsten Tag:

Als erstes fiel mir die Eisvogelrutschbahn in der Röhre auf. Matschige Erde und frischer nasser Kot sind zu erkennen. Auf dem Bauch rutschend schießt der Eisvogel aus der Röhre und ist sofort weg. Das dauert keine Sekunde, und die hat man schnell verpaßt! Ich auch.

Aber nun gab es eine weitere Überraschung:

EisvogelAn allen Tagen hatte ich einen Zaunkönig gesehen, aber wenig beachtet. Ich hatte ja ständig die Eisvogelrutschbahn im Auge. Plötzlich sah ich den Zaunkönig kopfüber an einem Ast hängend Moos zupfen. Nun wurde auch er hochinteressant. Und plötzlich ist er zum Baumteller geflogen und war nicht mehr zu sehen. Wo war er hin? Ich versuchte ihn im Auge zu behalten. Er war ja fast zahm, kam bis auf 2 Meter an mich heran. Ich sprach ihn leise an: "Hallo, Zaunkönig". Er guckte mich an und fing an zu zwitschern. Dann flog er wieder zum Ast und sammelte erneut Moos. Nun war alles egal. Ich mußte wissen, wo er sein Nest hat. Und dann traute ich meinen Augen nicht. Er hatte doch tatsächlich gleich neben dem Eisvogel ein Nest gebaut, nur 1 Meter weiter!

Eisvogel-Rutschbahn aus der BrutröhreEisvogel vom Baumteller

Dann streikte mein Akku. Und während ich den Akku wechselte, hörte ich ein bekanntes lautes zieh zieh zieh. Der Eisvogel flog rasant unmittelbar vor mir vorbei und landete nur 10 Meter weiter auf einem Zweig am nahen Bach. Und sofort tauchte er ab ins Wasser. Er kam ohne Beute aus dem Wasser, flog wieder auf den Zweig und fing an sich zu putzen. Ist ja klar! Auf der Rutschpartie aus der Röhre hat er sich ganz schön beschmiert und reinigte sich nun erst einmal mit einem Vollbad im Bach. Ein unscharfes Foto konnte ich gerade noch machen, dann war er auf und davon.
Bitte keine Beschwerden über das tolle Foto! In wenigen Sekunden quer durch Weidenruten gibt es kein besseres Bild. Außerdem habe ich nur eine lahme Coolpix, aber mit einem 42fachen Zoom. Alles kann man nicht haben.

Ein paar Fotos vom zutraulichen Zaunkönig:

Zaunkönig kopfüber beim MoossammelnZaunkönig kopfüber beim MoossammelnZaunkönignest im BaumtellerZaunkönig

ZaunkönigZaunkönigZaunkönig

Noch 'ne Überraschung:

An der linken Seite des Baumtellers gibt es unten noch ein Zaunkönignest.

Zaunkönignest im BaumtellerZaunkönig NestZaunkönignest im Baumteller

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Und noch ein Brutvogel:

Ein Rotkehlchen, daß nicht so zutraulich war wie der Zaunkönig, sich hinter gesammelten Laub versteckte und sehr vorsichtig war, schaute zu mir herüber. Mit Nistmaterial im Schnabel mußte es wohl auch in der Nähe sein Nest haben. Das gleiche Spielchen: Anflug gegen die Wand aus Erde und Wurzeln, und es war sofort verschwunden. Es hatte sein Nest ganz rechts im Baumteller. Auf 2 1/2 Meter waren 3 Nester und ein viertes auf der anderen Seite. Hinter mir, oben in einer abgebrochenen alten Weide, baute ein Kolmeisenpärchen sein Neist. Darunter lärmte ein Kleiber und am andern Ufer rief ein Zilpzalp ständig seinen Namen.

Rotkehlchen mit Laub getarnt Rotkehlchen am Baumteller Rotkehlchen mit Nistmaterial am Baumteller
Rotkehlchen mit Laub,
kaum zu erkennen.
Rotkehlchen mit Nistmaterial
vor dem Nest
Rotkehlchens Höhle
ganz rechts im Baumteller

Zwei Tage später:

Auch wenn jetzt jemand meint, ich sei ein Spinner oder sowas gibt es doch gar nicht, doch, gibt es:

Noch ein Nest!
Amselnest an einem Baumteller

Knapp 1 Meter links vom Eisvogelloch hat eine Amsel mit frischen grünen Halmen und Moos in eine Niesche ein Nest gebaut. Leider habe ich sie nicht beim Nestbau beobachten können. Kein Wunder, denn sie hatte mit ihrem Nistplatz pech. Ein kleiner Erdklumpen fiel ins halbfertige Nest und beendete alle Aktivitäten. Schade.
An den anderen Nestern war alles ruhig. Sie sind halt fertig und zum Eierlegen sieht man Zaunkönig und Rotkehlchen eher selten. Und der Eisvogel scheint zu brüten und ist deshalb auch nur sehr selten zu beobachten. So ist genügend Zeit, die Langeweile durch Beobachten der Umgebung zu vertreiben.

 

MönchgrasmückeMönchgrasmücke - Männchen

 

Ein Mönchgrasmückenweibchen und ein Männchen (rechts) -
was für ein Zungenbrecherwort!) waren hin und wieder in der Nähe zu sehen.
Ein Foto durfte ich machen, dann flogen sie davon.
Das Männchen hat einen schwarzen Hut und war hin und wieder auch zu sehen.

 

Und plötzlich höre ich wieder das vertraute zieh-zieh-zieh, nur viel schneller und nicht aus dem Nest, sondern hinter mir. Ich drehe mich um, um den Rufer zu suchen. Dabei verpasse ich den Abflug des anderen Eisvogels aus dem Nest. Beide flogen 50 bis 60 Meter bachaufwärts, landeten auf einem Zweig am Ufer, drehten sich sofort um und schauten zurück in meine Richtung. Klar, daß sie mich gesehen hatten. Das veranlaßte mich, volle Deckung hinter einer riesigen Weide mit mehreren Stämmen zu suchen und auf die Rückkehr zu warten.

Das zog sich aber hin, und ich wollte schon den Heimweg antreten. Plötzlich sind beide Eisvögel wieder da, sitzen kaum 5 Meter vor mir lautlos vor der Niströhre und sichern eine zeitlang in alle Richtungen. Und ich schaue in Schockstarre zu. Dann geht alles ganz schnell. Er fliegt zum Nest und muß brüten. Sie fliegt den Bach hinab.

Am Baumteller ist wieder Ruhe eingetreten. Und ich weiß jetzt, wann die Ablösung am Brutplatz erfolgt.

Endlich ist mal richtig schönes Frühlingswetter.
Das freud nicht nur mich, sondern auch den Zaunkönig.
Er hat sich im Baumteller an einer sonnigen Stelle ein Sandbad eingerichtet und nutzt es reichlich.
In einer Stunde habe ich ihn 3 mal in seiner Kuhle gesehen:

 

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Mo 25.04.2016:
Dauerregen, Kälte, Hagelschauer. Am Baumteller ist nichts los - gar nichts! Nach 2 Stunden bin ich durchgeweicht und trolle mich.

Vom 26.04. bis 28.04.2016 habe ich mir alle Beobachtungen verkniffen. Das Wetter war nicht besser geworden, eher noch schlechter!

Fr. 29.04.2016 12:38: Eisvogel fliegt vom Nest ab, Rückkehr 12:58 Uhr (MEZ). Ich habe was gegen Sommerzeit.
Die Tiere richten sich schließlich auch nicht danach.
Rotkehlchen 3 x bei der Partnerfütterung am Nest beobachtet, das Brutgeschäft hat wohl begonnen.

Sa 30.04.2016:
Nur gut, daß ich rechtzeitig vor Ort war. Der Eisvogel hatte den Abflug vom Nest auf 12:22 Uhr vorverlegt. 12:35 Uhr flog er wieder ein. In dieser Zeit gab es 5 Vorbeiflüge. Hatten sie mich entdeckt? Ich hatte eine graugrüne Jacke an. Aber es war im Gegensatz zu den Vortagen plötzlich recht warm. Das hatte mich veranlaßt, die Jacke zu öffnen. Ein Fehler, wie sich sogleich herausstellte. Denn nun war das rot-weiße knallig gefärbte Hemd zu sehen. Das ist dem Eisvogel nicht entgangen, und er meckerte mich beim Vorbeiflug an. Um das Nest nicht zu verrraten, flog er einfach weiter. Etwa 15 Beobachtungen. Sie füttern Insekten, denn sie kommen oft aus dem benachbarten Wäldchen.

Das Rotkehlchen verpflegte 3 x den Partner am Nest, etwa alle 20 bis 30 Minuten.
Am linken Zaunkönignest war hin und wieder Betrieb, am rechten war gar nichts los.
Das kann daran liegen, daß Zaunkönige mehrere Nester bauen.

voraussichtlich Brutzeit Brutbeginn Fütterungszeit Fütterungsbeginn Ausflug
1. Eisvogelnest 19 - 21 ??? 23 - 28 30.04.2016 ? 25.05.2016
2. Eisvogelnest Mo 16.05.2016 vsl. 09.06.2016  
Rotkehlchen 13 - 15 Fr 29.04.2016 12 - 15 11. - 15.05.2016
Zaunkönig 14 - 18 14 - 17

In der Natur geht es hart zu:
Auf einem Privatgrundstück lag ein geräubertes Schwanzmeisennest. An dem Nest hatten die Schwanzmeisen mehrere Wochen gebaut, alles umsonst! Der Räuber dürfte eine Katze gewesen sein.

Auf einem bemoosten dicken Ast lag ein totes Vogelküken, keine 50 m vom Baumteller entfernt. Vermutlich ist es ein Drosselbaby. Mehrere Drosselnester sind in der Nähe. Der Eichelhäher, einer der schlimmsten Nesträuber, ist auch immer in der Nähe. Drosseln sind Freibrüter und deshalb dem schlauen Eichelhäher schutzlos ausgeliefert. Der sitzt in aller Ruhe auf einem Ast und beobachtet, wo die Drossel mit dem Futter hinfliegt. Wo gefüttert wird, da sind auch Küken. Dieser Schlaufuchs kennt alle Freibrüter. Meisen interessieren ihn nicht, denn die sind Höhlenbrüter. Und da kommt er nicht ran. Wenn sie aber noch unbeholfen im kleinen Schwarm den Alten nachfliegen, dann ist er zur Stelle. Ich habe einmal beobachtet, wie ein Eichelhäher eine junges gerade flügge gewordenes Kohlmeisenkind erbeutet hatte.

Und dann hat sich der Räuber auf die gleiche Art verraten. Nun wußte ich nämlich, wo seine Küken waren. Die waren ziemlich flauschig und konnten noch nicht fliegen. Aber sie waren gut zu Fuß und ich hatte meine liebe Not, ein Foto zu schießen. Sie kannten jedes Versteck.

Das Foto war im Kasten, ich wollte nicht weiter stören und ging weiter.

Kaum war ich weit genug weg, gab es ein Riesengekreische. Ein Bussart hatte auch gesehen, wo das Meisenküken verfüttert worden war und griff sofort zu. Beide Eichelhäher verfolgten ihn laut schimpfend, aber ohne Erfog.

Es immer die gleiche Methode: Beobachten, beobachten, beobachten - zuschlagen und dann nichts wie weg.

Am Ende der Nahrungskette stehen die Greife, Deren Erzfeind ist nur der Mensch, auch in Deutschland!
Darum kümmert sich europaweit das Komitee mit dem Projekt EDGAR.

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Singdrossel mit Futter geschlüpftes Ei einer Singdrossel, nach Regen mit Wasser gefüllt geräubertes Küken einer Singdrossel Kadaver eines Singdrosselbabys
Fütternde Singdrossel sammelt auf einer be-nachbarten Wiese Würmer und Insekten.
Ei einer Singdrossel, gechlüpft, vom Dauer-regen mit Wasser gefüllt.
Regennasse Babyleiche einer Singdrossel. Am Hals sieht man den Schnabel-abdruck des Räubers.
Einige Tage später fehlt der Kopf, und Fliegen haben ihr Werk begonnen. Die Federn wachsen noch immer! Oder sind sie nach dem Regen nur getrocknet?
Am 4. Mai war alles weg.

So 01.05.2016: Hundekalt. Ich verkneife mir das Beobachten.

Mo 02.05.2016: Gestern noch eiskalt, heute 20 Grad!
Eisvogel füttert mit Insekten, d. h. die Kinder sind noch winzig klein. Etwa 20 Sichtungen.
An den Nestern der Zaunkönige ist hin und wieder Flugbetrieb zu sehen.
Das brütende Rotkehlchen wird regelmäßig vom Partnrt gefüttert.

Di 03.05.2016:
Ich bin nicht auf dem Posten, deshalb war ich nicht beim EV.

Mi 04.05.2016:
12 Sichtungen beim Eisvogel, beim Rotkehlchen Partnertfütterung, ein Zaunkönignest wird beflogen, Zaunkönig badet fast stündlich in seinem Sandbad.

Do 05.05.2016, Vatertag!
7 Eisvogelsichtungen und ein wenig Betrieb am linken Zaunkönignest. Am zweiten Nest nichts los. Das brütende Rotkehlchen wurde hin und wieder vom Partner versorgt.

Auf der anderen Bachseite ist ein Wanderweg, von dem immer wieder das Gegröhle der Betrunkenen lautstark zu hören war. Viele Radfahrer und Wanderlustige waren ebenfalls unterwegs.

Auf dem Rückweg besuchte ich meinen alten Gärtner, der schon über 40 Jahre einen 2000 qm großen Garten bewirtschaftet. Inzwischen ist er 86! Vor einigen Jahren konnte ich ihn überreden, einige meiner vielen gefundenen Nistkästen im Garten aufzuhängen. Vor ungefähr vier Jahren hatte ich ihm zwei kaputte Nistkästen gebracht. Weil es regnete, hatten wir sie nicht repariert, sondern als Halbhöhlen in eine Hecke und in eine seiner fliegenden Zeltbauten gesteckt.

Mit voller Stolz geschwollener Brust berichtete er mir nun, daß in den Kasten unter der Plane immer mal ein Rotkehlchen fliegt. Ob die da brüten wollen?. Reinschauen ging nicht, aber ganz vorsichtig mit dem Finger reintasten müßte gehen. Und tatsächlich - ein Gelege. Sechs weitere Nistkästen sind mit Blau- und Kohlmeisen belegt. An den vielen Eigenbau-Futterhäuschen und dem selbstgebauten Insektenhotel herrscht Dauerbetrieb.

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Eine wirklich kleiner Auswahl:
lustige Nistkästen und Futterhäuser Insektenhotel Blaumeise am Betonnistkasten Blaumeise im Betonnistkasten Eigenbaufledermauskasten
Nistkästen und
Futterhäuschen
Insekten-
hotel
Blaumeise Blaumeise Fledermauskasten

 

Mo 09.05.2016:
17 Sichtungen der Eisvögel. Einer arbeitet wohl an einem neuen Nest. Von Zaunkönig und Rotkehlchen war nichts zu sehen.

Di 10.05.2016:
12 Sichtungen der Eisvögel. Aus der Röhre kam ein mächtiger weißer Kotspritzer. So klein sind die Jungen also nicht mehr. Auf jeden Fall wird mit Fisch gefüttert, wie man auf dem Foto gerade noch erkennen kann.

Eisvogel mit Fisch am Baumteller Eisvogel beim Füttern an der Niströhre Eisvogelweibchen wenige Minuten vor dem Eierlegen am Baumteller
Eisvogel vor dem Baumteller
mit Fisch für die Jungen.
Eisvogel füttert. Die Jungen
kommen ihm bereits entgegen.
Eisvogelweibchen
kurz vor der Eiablage?

Mi 11.05.2016:
12 Sichtungen, 7 Fütterungen beobachtet. 5 mal kam das Weibchen und saß minutenlang auf einem kleinen kahlen Ast, um dann wieder abzufliegen und kurze Zeit später wieder zurück zu kehren. An der Fütterung beteiligte sie sich nicht. Als dann der Partner mit einem kurzen ziet-ziet sich meldete und fütterte, flog sie zum Baumteller in eine andere Niströhre und blieb dort etwa 5 Minuten. Also war die Annahme von vor zwei Tagen zutreffend, daß an einem neuen Nistplatz gebaut wurde. Sie hat wohl ein Ei gelegt, und vielleicht ist es bereits das zweite Ei. Das war um 12:50 Uhr (MEZ).

Vielleicht beginnt am 14.05.2016 die nächste Brut. Ist dann um den 05.06.2016 herum die nächste Fütterung zu sehen?

Do 12.05.2016:
Diverse Sichtungen. Während er fleißig Fisch füttert, sitzt sie minutenlang vor mir auf einem Ast, fliegt kurz weg und ist gleich wieder da. Alles sieht aus, als hätte sie die Wehen. Gibt es sowas bei Vögeln??? Das nächste Ei muß wohl bald raus. Das wäre vermutlich das dritte Ei. Dann gab es eine Eisvogelhochzeit, die aber nach einer Sekunde schon wieder vorbei war. Kurze Zeit später verschwand sie für vielleicht 5 Minuten in der neuen Niströhre.

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Fr 13.05.2016:
Klabautermannstag! Mal sehen, was heute alles daneben geht.
Diverse Sichtungen! Mein B-Posten war aber verbesserungsbedürftig. Ich mußte alles sehen können ohne selbst gesehen zu werden. Wer bei der Fahne war, kennt die Bedeutung dieser Aussage.

Nun war meine Grüntarnung so dicht geworden, daß mich die Eisvögel nicht mehr sehen konnten. Leider hatte ich dadurch aber nur noch einen Tunnelblick auf einen kleinen Teil das Baumtellers, aber wenigstens auf eine Stelle, auf der sie gerne saßen.

Ein Stativ wäre gut, ließ sich aber wegen der Bodenbeschaffenheit nicht aufstellen. Und mit einem Einbein kam ich nicht zurecht. Zu Hause hatte ich ein kaputtes kleines Stativ mit nur noch zwei Beinen. Das war zwar Schrott, aber ich konnte mich bislang nicht von ihm trennen. So schraubte ich es vor meinem Sichtloch an den mächtigen Stamm der Weide. Nun mußte ich die Kamera nicht mehr ständig halten und konnte den Ansitz auf dem Monitor beobachten. Das war gut, aber nicht für den Akku. Und immer wenn ich den wechselte, war vor dem Baumteller etwas los.

Murphys Gesetz:
"Whatever can go wrong will go wrong.“
Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.“

Oder war es doch Freitag der Dreizehnte?

Sa 14.05.2016:
Nach ein paar wunderschönen Tagen war es heute arschkalt, windig und ab und zu ein bißchen Regen und Hagel. Sehr ungemütlich, deshalb nur 4 Sichtungen, 2 mal mit Fisch und 2 mal das Weibchen in den Wehen. Das dürfte nun das 5. Ei sein.

Und nun ein paar Fotos der letzten Tage:

Eisvogel Eisvogel mit Fisch als BeuteEisvogelEisvogel

Eisvogel mit Fisch als BeuteEisvogel mit Fisch als BeuteEisvogel mit Fisch als BeuteEisvogel mit Fisch als Beute

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Mo 16.05.2016:
Nach ein paar Kilometer Fußweg sitzt ein junger gerade flügge gewordener Dompfaff auf dem Weg. Er sieht erschöpft aus. Ich gehe weiter bis ich eine kleine Deckung finde, von wo aus ich beobachten kann, ob er noch versorgt wird. Da kommt ein Fußgänger und droht den kleinen Vogel totzutreten. Warnen konnte ich ihn nicht. Es war ein Handyot mit zugestöpselten Ohren und den Blick auf sein Smartphon gerichtet. Zum Glück trat er daneben. Ich nahm den kleinen Vogel auf und trug ihn zwischen meinen hohlen Händen nach Hause. Ich hatte schon ein wenig Erfahrung mit dem Aufziehen von Vogelwaisen. Vor mehr als 10 Jahren waren es Trauerschnäpper und vor ein paar Jahre Zilpzalpe. Womit ich den Waisen füttern sollte, war mir nicht klar, auch mit Angelmaden?? Auf den letzten 100 Meter erledigte sich das auf tragische Weise. Er starb mit leichten Zuckungen und hängendem Köpfchen in meiner Hand.

Also zurück zum Baumteller. In den ersten 30 Minuten rührte sich nichts. So ging ich davon aus, daß die Eisvögel inzwischen auf und davon waren und das Weibchen mit der zweiten Brut begonnen hatte.

Plötzlich saß das Weibchen wieder auf dem "vereinbarten Sitzplatz". Die Kamera auf dem an den Baum geschraubten Stativ hatte sie gut im Blickfeld. Sie flog aber gleich wieder weg und kam erst nach einer halben Stunde zurück, flog für 10 Sekunden ins Nest und gleich wieder davon. Ich hoffe, daß sie nun anfängt zu brüten. Der Partner kam in Abständen von 25 und 30 Minuten mit Beute zurück. Das ertse Nest war also noch besetzt. Auch ein Kotspritzer schoß wieder aus dem Nest.

Auf dem Rückweg fütterte eine Drossel ihr Junges. Zum Foto war Mama Drossel aber schon wieder weg. Das Junge hielt still. grins

Junger verlassener DompfaffEisvogel mit BeuteJunge Singdrossel

Di 17.05.2016:
Wieder saukalt um die 10 Grad mit Sturmböen, Hagel und Regen. Statt Baumteller heute mal Hundeerziehung. Nero, ein Labrador-Mischling ist ein ganz Lieber mit einer großen Macke. Er stürzt sich auf jeden Hund. Gestern hatte er ein Halti bekommen. Ich bin mit ihm zum Ententeich gegangen. Gleich wollte er auf eine Silbermöwe los. Einmal hielt das Halti was es sollte. Dann kriegte er es ab. Auf der anderen Teichseite balgten sich Stockenten, Graugänse, Kanadagänse und Krähen um Futterreste. Mehrere Erpel stellten einer Ente nach. Das sah schon eher wie eine Vergewaltigung aus. Aber die Erpel hatten nicht mit einer beherzten Krähe gerechnet.

So etwas habe ich noch nicht gesehen:
Die Krähe ging auf die Erpel los und hackte heftig auf sie ein. Wenn sie einen von der Ente vertrieben hatte, kam der nächste Erpel und bestieg die Ente ebenfalls . Dem biß die Krähe in eine Schwanzfeder und ließ noch nicht einmal los, als der Erpel schon das Weite suchte - mit der Krähe im Schlepptau. Dann kam der nächste Erpel dran, bis die Ente endlich entkommen konnte.

Es ist schon erstaunlich, wie Tiere unterschiedlicher Arten sich gegenseitig helfen. Warum tuen sich die Menschen da so schwer???
Statt zu helfen, schauen viele einfach weg.

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Mi 18.05.2016:
Heute war richtig schönes Sommerwetter.
Nachdem ich 40 Minuten vergeblich den Baumteller beobachtet hatte, wollte ich schon aufgeben. Ich glaubte, die Jungen sind bereits über alle Bäche, und das Weibchen brütet. Da gibt es halt nichts zu sehen. Doch plötzlich, wie aus dem Nichts, landete der Buntspecht auf dem Baumteller und schaute nach unten. Dieser Nesträuber hat gerade noch gefehlt! Plötzlich schoß er nach unten. Ich dachte schon, er fällt ins Wasser. Er kriegte aber die Kurve, flog 5 Meter nach rechts, blieb heftig flatternd in der Luft stehen, schaute hektisch in alle Richtungen, drehte sich auf der Stelle im Kreis und wieder zurück. Dann fiel ein kleines dunkles Etwas zu Boden zwischen die Brennnesseln. Er hatte vergeblich einer Hummel nachgestellt. Hoffentlich hat sie das wilde Hauen und Stechen überlebt.

Gleich nach diesem Zwischenspiel flog das Eisvogelweibchen aus der rechten Brutröhre aus. Dann war wieder 20 Minuten Ruhe am Baumteller. Ich meinte, sie brütet schon. Das konnte aber nicht sein, denn plötzlich waren beide Eisis mit Fisch angekommen. Hat sie etwa noch ein Ei gelegt? Wann will sie denn endlich brüten? Oder füttert da ein fremder Eisvogel mit?

Jedenfalls gab es innerhalb einer Minute 3 Fütterungen!

Einmal konnte ich beobachten, daß etwas aus dem Nest getragen wurde. Kann das Gewölle gewesen sein? Es sah aus wie ein zu lange gegrillter Fisch. Der EV landete mit ihm auf dem vereinbarten Platz, und ich konnte noch ein Foto machen, bevor er in Richtung Bach mit diesem braunen Ding weiterflog.

Langsam aber sicher wächst der schöne Landeplatz mit Brennnesseln zu.

Eisvogel hat die Schauze voll! Eisvogel mit Gewölle? Eisvogel füttert quer! Eisvogel füttert quer!
Was hat er denn da aus dem Nest geholt? Anfänger!
Man nimmt doch den Fisch nicht quer!
Fotostativ am Baum angeschraubt Eisvogelweibchen

Das am Baum angeschraubte nur noch zweibeinige Stativ ist kaum zu sehen. Aber nicht das Stativ war zu tarnen sondern die Kamera und vor allem der Fotograf. Das Aufstellen eines Tarnzeltes wäre viel zu auffällig gewesen, nicht für die Eisvögel, die hätten sich schnell daran gewöhnt, aber für neugierige Schaulustige. Keine Völkerwanderung zum Eisvogelnest!

Auf dem rechten Bild sieht man, wie der Eisvogel mit Kot verdreckt nach dem Füttern aus der Röhre zurück gekommen ist. Meistens fliegt er dann geradewegs zum Bach und nimmt dort ein kurzes Bad.

Angeschraubtes Stativ Kot an Brust und
Schnabel nach
dem Füttern

Do 19.05.2016:
35 Minuten herrschte totale Stille am Baumteller. Dann kamen 3 Eisvögel in 1 1/2 Minuten. Beide Altvögel fütterten. Sie flog anschließend ins neue Nest. Der dritte Eisvogel flog ohne Fisch zum alten Nest, schaute nur kurz rein und flog dann wieder ab. Anschließend wurde vom Eisvogel-Vater fast im 10-Minutentakt gefüttert.

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Fr 20.05.2016:
Über eine Stunde gibt es nichts am Baumteller zu sehen. Ab und zu starten und landen ein paar laut schnatternde Stockenten nebenan auf dem Bach. Die Eisvögel sind vermutlich ausgeflogen. Das Weibchen brütet und läßt sich nur sehr selten, heute gar nicht.
Zweimal hörte ich den EV rufen, und einmal sah ich ihn am Bach abfliegen

Als ich aufbrechen will, ist der bunte Hummeljäger von vorgestern wieder da und jagt in halbrecherischen Flugkünsten auf der Wiese nach Insekten. Das Bäumchen, daß er in den letzten Tagen schon so oft abgegrast hatte, bietet noch immer Futter. Er sammelt für seine Kinderstube in der Nähe.

Kaum war er weg, huschte durch den Wald von Brennesseln ein Zaunkönig auf der Jagd nach Bodeninsekten. Als er sich im Geäst eine kurze Ruhepause gönnte, kam ich zum Schuß, natürlich nur mit der Kamera:

Buntspecht sammelt Insekten ZaunkönigZaunkönig

Mi 24.05.2016:
Starkrtegen mit 27 Liter je m2 pro Stunde, Sturmböen mit Blitz und Donner einbegriffen

Do 25.05.2016:
Eisvogelsichtungen:
Ein Abflug aus dem neuen Nest, 3 Vorbeiflüge am Baumteller, ein Vorbeiflug von 2 Eisvögeln nebeneinander. Ein Anflug zum alten Nest, kurzer Blick in die Röhre und Abflug. Dreimal mit Ansitz vor dem Baumteller, jedoch nicht auf dem alten Ansitz. Starker Aufwuchs der Brennnesseln und dichtes Laubwerk

Zweimal An- und Rückflug des Zaunkönigs zum linken Nest.
Am Rotkehlchennest kein Betrieb gesehen.
Der Starkregen vom Vortag hat keinen sichtbaren Schaden verursacht. Durch die neue Brutröhre geht allerdings ein senkrechter Riß.

Mo 06.06.2016:
Die Vegetation hat sich so stark entwickelt, daß der Baumteller hinter Laub und mannshohen Brennnesseln kaum noch zu sehen ist.
In einer Stunde keine Sichtungen der Eisvögel. Die zweite Brutröhre sieht aus wie selten beflogen. Wird gebrütet? Vermutlich ab 09.06.2016 wird wohl die Fütterung an der zweiten Röhre beginnen.
Ein junges Rotkehlchen gesichtet. Das Nest ist von Spinnweben umgeben.

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